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Angst und Depression durch Lärm

Lärm kann körperliche, aber auch psychische Auswirkungen haben und diverse Krankheiten verursachen. Wie sich dieses Gesundheitsrisiko minimieren lässt.

21.11.2016 (verpd) Es gibt einen Zusammenhang zwischen seelischen Erkrankungen und Lärm. Zu diesem Ergebnis kommt unter anderem eine aktuell veröffentlichte klinische Studie.

Die Studienergebnisse zeigen, dass es eine starke Zunahme von Depression und Angst bei steigender Lärmbelästigung gibt.Eine Studie der Klinik und Poliklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie und des Zentrums für Kardiologie der Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) kommt zu dem Ergebnis, dass Lärm krank machen kann. „Bei extremer Lärmbelästigung sind Depression und Angst immerhin doppelt so häufig wie bei geringer Lärmbelästigung“, erklärt der Studienleiter Prof. Dr. Manfred Beutel von der JGU.

Prof. Dr. Thomas Münzel, Mitautor der Studie, ergänzt: „Unterscheidet man den Beitrag der verschiedenen Lärmquellen zur Lärmbelästigung, so waren die meisten Menschen durch Fluglärm mehr oder minder stark belästigt. Unter den extrem belästigten Teilnehmern stand Fluglärm mit 62 Prozent an erster Stelle, gefolgt von Straßenverkehr mit 18 Prozent.“

Psychische und physische Auswirkungen von Lärm

Allerdings wurden bei dieser Studie keine Ursache-Wirkungszusammenhänge aufgearbeitet. Prof. Dr. Manfred Beutel verdeutlicht dies: „Denkbar ist, dass Lärmbelästigung Stress hervorruft, der zu Depression und Angst führt. Es ist aber auch möglich, dass Depression und Angst zu erhöhter Lärmempfindlichkeit führen beziehungsweise dass eine starke Lärmbelästigung eine psychische Erkrankung verschlimmert.“

Lärm ist eben nicht nur ein Störfaktor, sondern auch ein Gesundheitsrisiko, so das Umweltbundesamt. Sowohl kurzzeitige Schallspitzen als auch ein dauerhaft hoher Lärmpegel schädigen das Hörvermögen bis zur Schwerhörigkeit. So reicht es laut der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung beispielsweise aus, wenn man 15 Minuten pro Tag mit einem Winkelschleifer arbeitet, damit es zu einem Gehörschaden kommen kann.

Diese Schäden entwickeln sich aber schleichend, oftmals über einen Zeitraum von Jahren hinweg. Das Tückische dabei: Sind Schädigungen erst einmal eingetreten, können diese nicht mehr geheilt werden. Es hilft also nur vorbeugen.

Von Tinnitus bis zu Bluthochdruck

Weitere mögliche Auswirkungen von Lärm sind Ohrgeräusche (Tinnitus), ein erhöhter Blutdruck und eine gesteigerte Herzfrequenz. Zudem kann eine chronische Lärmbelastung zu Nervosität, Konzentrations- und Schlafstörungen, erhöhten Blutfett- und Blutzuckerwerten sowie zu Bluthochdruck führen. So erhöht eine dauerhafte Lärmbelastung von mehr als 65 Dezibel (dB) am Tag beziehungsweise mehr als 55 dB in der Nacht das Herz-Kreislauf-Erkrankungsrisiko.

Gehörschäden sind ab einer ständigen Lärmbelastung von mehr als 85 dB oder bei einem kurzfristigen Lärm mit mehr als 137 dB zu erwarten. Zur Einordnung: Typischerweise verläuft ein Gespräch bei einem Lärmpegel zwischen 50 und 60 dB. Ein vorbeifahrendes Auto erreicht rund 75 dB, der Straßenverkehr liegt zwischen 75 und 85 dB. Der Schwerlastverkehr kommt auf rund 95 dB Lärm und ein Presslufthammer auf 100 dB. Bei einem Rockkonzert sind es bis zu 120 dB und ein startendes Flugzeug erreicht bis zu 140 dB.

Vorsicht ist auch bei Kinderspielzeug geboten, denn Rasseln, Quietscheentchen oder elektronisches Spielzeug können laut sein und einen Lärmpegel von bis zu 115 dB erreichen. Dementsprechend rät auch das Umweltbundesamt, dass Kinder möglichst kein lautes Spielzeug nutzen sollten. Zumal zu viel Lärm die Sprachentwicklung, die Lesefähigkeit und die mentale Leistungsfähigkeit von Kindern beeinträchtigen kann, warnt das Umweltbundesamt.

Lärmvermeidung

„Junge Menschen nehmen das Problem leider nicht immer ernst“, weiß der Präventionsleiter des Landesverbands Mitte der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung e.V., Christoph Preuße. Er verdeutlicht: „Schon ein Viertel aller 16- bis 24-Jährigen haben bereits einen Hörschaden durch Freizeitlärm. Wegen der Langzeitfolgen ist es wichtig, das Thema Lärm in der Ausbildung anzusprechen.“ Wichtig in diesem Zusammenhang ist auch das Thema Musikhören mit dem Kopfhörer. Dabei sollte die Lautstärke möglichst niedrig eingestellt werden

Zudem sind die Unterschiede zwischen den Kopfhörermodellen zu beachten. So blockieren beispielsweise die beliebten In-ear-Kopfhörer Außengeräusche weniger, was zur Folge hat, dass die Lautstärke höher eingestellt wird. Geschlossene Kopfhörer dämpfen zwar den Umgebungslärm, sind dafür problematisch, wenn sie draußen genutzt werden, weil Signaltöne, wie eine Autohupe oder ein Martinshorn damit leicht(er) überhört werden.

Grundsätzlich gilt: Man sollte unnötigen Lärm vermeiden und beispielsweise leise Geräte verwenden. Diese sind zum Beispiel mit dem „Blauen Engel“ gekennzeichnet. Zudem kann man sich in der eigenen Wohnung durch entsprechende Baumaßnahmen wie Schallschutzfenster schützen.

Ohrstöpsel rein, auch in der Freizeit

Bereits ab einem Lärmpegel von 85 dB müssen Beschäftigte am Arbeitsplatz einen Gehörschutz tragen, denn bereits ab dieser geringen Lautstärke wird das Gehör geschädigt, wenn dieser Lärm lange Zeit auf eine Person einwirkt.

Aber auch zu Hause sollte man bei lauten Tätigkeiten sich und seine Ohren schützen, zum Beispiel beim Rasen mähen oder beim Bohren. Laut wird es auch beim Umgang mit Feuerwerkskörpern, bei Disco- oder Konzertbesuchen und für Sportschützen auch beim Gebrauch von Schusswaffen – deshalb sollten auch hierbei Ohrstöpsel genutzt werden.

Wer wissen möchte, wie groß seine individuelle Lärmbelastung ist, findet beim Institut für Arbeitsschutz der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (IFA) online einen Lärmbelastungsrechner zum Herunterladen. Weiterführende Infos liefert die Broschüre „Lärm im Alltag“ der Deutschen Gesellschaft für Akustik e.V. (DEGA). Kindgerechte Informationen gibt es in der Broschüre „Akustik & Lärm: Eine Mitmachbroschüre für Kinder“, die beim Umweltbundesamt bestellt oder auch heruntergeladen werden kann.

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