Anlagen und Maschinen: Smart, aber leider auch riskant

Bereits jede vierte heute in produzierenden Unternehmen eingesetzte Maschine ist smart, also mit dem Internet verbunden – so eine aktuelle Studie. Das bringt viele Vorteile, aber auch zahlreiche Risiken mit sich. Einige Gefahren lassen sich jedoch mit geringem Aufwand beseitigen.

1.8.2019 (verpd) Laut einer Studie des Branchenverbands Bitkom, die vor Kurzem veröffentlicht wurde, sind heute 25 Prozent aller Maschinen, die in der deutschen Fertigungsindustrie eingesetzt werden, mit dem Internet verbunden. In jedem zehnten Unternehmen ist sogar mehr als jede zweite Maschine smart, also online vernetzt. Und der Anteil wird aufgrund der zahlreichen Vorteile, die diese smarten Lösungen bieten, laut Experten immer höher. Doch smarte Maschinen und Anlagen bergen auch diverse Risiken, wie aktuelle Untersuchungen zeigen.

Die Analysten von Bitkom Research haben im Auftrag des Branchenverbands Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e.V. (Bitkom) eine repräsentative Befragung zum Thema „Industrie 4.0“ in der deutschen Industrie durchführen lassen. Befragt wurden hierfür 555 Industrieunternehmen ab 100 Mitarbeitern. Die Ergebnisse zeigen, wie schnell und wie grundlegend sich die Industrie durch die Digitalisierung verändert hat, sich aktuell verändert und in naher Zukunft noch verändern wird.

„Künstliche Intelligenz (KI) erobert die Fabriken im Eiltempo und ist die Basis für kontinuierliche Verbesserungen in der Fertigung“, erklärt Bitkom-Präsident Achim Berg und ergänzt: „KI hat das Potenzial, die Industrie zu revolutionieren.“ Und die deutsche Industrie ist mittendrin in dieser Revolution und investiert im Schnitt in diesem Jahr rund fünf Prozent ihres Gesamtumsatzes in das Thema Industrie 4.0.

Ohne Industrie 4.0 geht’s nicht (mehr)

Laut dieser Untersuchung nutzen bereits zwölf Prozent der deutschen Industrieunternehmen KI im Kontext von Industrie 4.0. Viele Unternehmen versprechen sich davon unter anderem eine Steigerung der Produktivität (47 Prozent), geringere Maschinenausfallzeiten durch Predictive Maintenance (39 Prozent) – also vorausschauende Wartung – sowie Prozessoptimierungen in Produktion und Fertigung (33 Prozent). 25 Prozent der befragten Unternehmen rechnen damit, dass sich durch KI die Produktqualität steigern lässt.

Rund jeder Fünfte geht durch den Einsatz von KI von einer besseren Skalierbarkeit und geringeren Kosten etwa für Personal, Wartung, Inspektion und Entwicklung aus. Wie stark die Veränderungen im Hinblick auf das Thema Industrie 4.0 sind, zeigt unter anderem die Tatsache, dass immer weniger Firmen der Ansicht sind, dass Industrie 4.0 aktuell und auch in Zukunft für sie kein Thema sein wird. Innerhalb von zwölf Monaten hat sich der Anteil dieser Firmen um zwei Drittel auf gerade einmal noch drei Prozent verringert.

„Die vierte industrielle Revolution wird oft als evolutionärer Prozess beschrieben. Das ist insofern richtig, als die Veränderungs-Geschwindigkeit in anderen Sektoren viel extremer ist, etwa im Medienbereich oder Finanzwesen“, erklärt Berg und fährt fort: „Die Industrie ist komplexer und am Ende eines industriellen Fertigungsprozesses steht immer noch ein materielles Produkt. Die Schonfrist der Industrie geht aber allmählich zu Ende. Die Automobilhersteller und ihre Zulieferer sind die Ersten, die mitten im digitalen Sturm stehen.“

Mitarbeiter weiterbilden und mitnehmen

Laut der Befragung ist der Fachkräftemangel allerdings derzeit ein massives Problem. Mehr als die Hälfte der Firmen (55 Prozent) sieht darin einen Grund, warum Projekte im Bereich Industrie 4.0 nicht umgesetzt werden (können). 27 Prozent der befragten Unternehmen wollen in diesem Jahr entsprechendes Personal einstellen, 31 Prozent haben dies im vergangenen Jahr bereits getan.

Außerdem führt kein Weg an dem Thema Weiterbildung vorbei. Fast die Hälfte der Umfrageteilnehmer (49 Prozent) haben im vergangenen Jahr Mitarbeiter im Bereich Industrie 4.0 weitergebildet; 53 Prozent planen entsprechende Maßnahmen für dieses Jahr.

„Digitalisierung gelingt nur mit digital kompetenten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Wenn vermehrt Maschinen, Roboter und Computer Tätigkeiten übernehmen, sind dafür nicht mehr nur IT-Spezialisten an der Spitze gefragt. Digitale Kompetenzen werden dann in der Breite von allen gefordert – und zwar bereits bei einfachen Alltagstätigkeiten“, verdeutlicht Berg die aktuellen Veränderungsprozesse. Die Weiterbildung und Sensibilisierung der Mitarbeiter ist also von entscheidender Bedeutung, nicht nur, aber eben auch für die Sicherheit der Firmen und Infrastrukturen.

Fauxpas, die es nicht geben dürfte

Wenn eben in den Firmen nicht nur die Computer der Verwaltung, sondern alle Maschinen und Anlagen mit dem Internet verbunden sind, können diese auch potenziell angegriffen werden. Ein Passwortschutz hilft hier beispielsweise nur bedingt, denn die Veröffentlichung eines einzigen Passworts reicht oftmals aus, damit sich Unbefugte Zugang zu den Systemen verschaffen können.

Hinzu kommt ein sehr menschliches Problem, denn vielen Mitarbeitern ist das Erstellen von komplexen Passwörtern lästig. Deshalb verwenden viele gerne immer wieder die gleichen, beispielsweise auch jene, die sie im privaten Bereich nutzen, für Firmendienste. „Aktuell befinden sich im Darknet mehr als 6,5 Milliarden gestohlene, private Datensätze“, warnt Dariush Ansari, Geschäftsführer von Network Box Deutschland, einer IT-Sicherheitsfirma. „Und jeden Tag kommen über Hacker von Onlineshops, Phishing-E-Mails, Viren, Trojaner und sonstige Plattformen neue dazu.“

Auf ein anderes Problem weisen die Spezialisten von Trend Micro, einem Unternehmen, das auf den Bereich Cybersicherheit spezialisiert ist, hin. Laut deren Forschungsbericht „Securing Smart Factories: Threats to Manufacturing Environments in the Era of Industry 4.0” laufen nämlich 65 Prozent der Produktionsumgebungen mit veralteten Betriebssystemen und sind damit ein potenzielles Einfallstor für unterschiedlichste, auch geschäftskritische Bedrohungen.

Wenn IT und OT zusammenwachsen

Industrie 4.0 bedeutet auch, dass die traditionelle Betriebstechnik (Operational Technology, OT) und die IT-Netzwerke zusammenwachsen. Dabei entstehen völlig neue Bedrohungsszenarien, wenn die bisher gut abgeschotteten und von außen nicht zu erreichenden Produktionsnetzwerke nun mit dem IT-Netzwerk verbunden werden. So werden nämlich die oftmals jahrzehntealten OT-Geräte mit ihren zum Teil unsichereren, proprietären Protokollen von außen angreifbar, was dadurch verschärft wird, dass die verwendete Software bei den Geräten oftmals nicht häufig genug aktualisiert wurde.

„Wie dieser Forschungsbericht zeigt, könnte die Zusammenführung von IT und OT unwissentlich schwerwiegende Auswirkungen auf Produktionsabläufe haben und zum Verlust von geistigem Eigentum und Wettbewerbsvorteilen führen“, warnt in diesem Zusammenhang Udo Schneider, Security Evangelist bei Trend Micro.

Deutlich wird dies beispielsweise, wenn man sich die Betriebssysteme ansieht, mit denen diese Produktionsanlagen laufen: Auf über 65 Prozent der von Trend Micro untersuchten Anlagen liefen Systeme auf dem Stand von Microsoft Windows 7 oder älter. Gerade für viele ältere Systeme gibt es jedoch keine neuen Sicherheitsupdates mehr, sodass Cyberkriminelle hier leichtes Spiel haben, in ein Netzwerk einzudringen.

Cybersicherheit für smarte Industrieanlagen

Angesichts dieser Fakten wundert es nicht, dass diese veralteten Systeme beispielsweise von VirenTrojanernSpyware oder auch Ransomware bedroht sind. Aufgrund dieser zahlreichen Bedrohungen raten Sicherheitsexperten allen Anlagenbetreibern, sich an die Grundlagen der Cybersicherheit zu halten.

„Dazu gehören“, so die Experten von Trend Micro, „beispielsweise die Einschränkung des Benutzerzugriffs und die Deaktivierung von Verzeichnislisten sowie die Identifizierung und Priorisierung wichtiger zu schützender Systeme.“

Der Webauftritt des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) stellt neben Informationen zum IT-Grundschutz speziell zum Thema Cybersicherheit in Industrieanlagen und -steuerungen aktuelle Warnungen sowie hilfreiche Tipps und Tools zur Verfügung.

 

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