Dr. hörtkorn  VERSICHERUNGSMAKLER

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In welchen Berufen der Krankenstand besonders hoch ist

Ein wissenschaftliches Institut hat vor Kurzem eine Studie veröffentlicht, die belegt, dass zwischen der Anzahl der krankheitsbedingten Fehlzeiten und der ausgeübten beruflichen Tätigkeit ein Zusammenhang besteht. Betriebe können dem jedoch auch entgegenwirken.

11.4.2019 (verpd) Im vergangenen Jahr hat nach einer aktuellen Analyse des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (Wido) der Krankenstand mit 5,5 Prozent seit zehn Jahren einen neuen Höchststand erreicht. Zudem zeigt die Studie, dass die Art des ausgeübten Berufes eine Rolle bei der Höhe der krankheitsbedingten Ausfallzeiten spielt. Zum Beispiel hatten Beschäftigte in der Ver- und Entsorgung siebenmal mehr krankheitsbedingte Fehltage als Berufstätige in der Hochschullehre und -forschung. Mit einer betrieblichen Gesundheitsförderung können Unternehmen den Krankenstand der Mitarbeiter und damit die Kosten dafür deutlich reduzieren, wie rund 2.400 Studien seit Längerem belegen.

Das Wissenschaftliche Institut der AOK (WidO) hat die Daten der in 2018 fast 14 Millionen AOK-versicherten Arbeitnehmer, welche in über 1,6 Millionen Betrieben beschäftigt sind, analysiert. Insgesamt, so die Analyse, hatte in 2018 statistisch gesehen im Durchschnitt jeder AOK-versicherte Arbeitnehmer 19,9 krankheitsbedingte Fehltage. Der Krankenstand, also der Anteil der letztes Jahr angefallenen Arbeitsunfähigkeitstage, betrug damit 5,5 Prozent.

Betrachtet man die letzten zehn Jahre, ist der Krankenstand fast stetig gestiegen und hat in 2018 den bisher höchsten Wert erreicht. 2014 bis 2017 waren es noch jeweils 19,5 beziehungsweise 19,4 Fehltage pro Kalenderjahr, was einem Krankenstand von 5,3 Prozent im jeweiligen Kalenderjahr entsprach. 2008 lag der Krankenstand mit 17,0 Fehltagen bei nur 4,6 Prozent. Die Datenanalyse zeigt zudem, dass die Anzahl der krankheitsbedingten Fehltage im Kalenderjahr auch mit dem ausgeübten Beruf zusammenhängt.

Je nach Beruf zwischen 4,6 und 32,5 Krankentagen im Jahr

Die wenigsten Ausfallzeiten in 2018, nämlich im Schnitt 4,6 Krankheitstage je AOK-versicherten Beschäftigten, gab es bei den Berufstätigen in der Hochschullehre und -forschung, die meisten mit 32,5 Krankheitstagen fielen bei den Beschäftigten, die in der Ver- und Entsorgung tätig waren, an. Der Krankenstand war demnach in den Berufen der Ver- und Entsorgung siebenmal höher als bei den Berufen der Hochschullehre und -forschung.

Im Einzelnen: Die Berufe mit den meisten Arbeitsunfähigkeits-Tagen je AOK-versicherten Beschäftigten in 2018 wurden im Bereich der Ver- und Entsorgung mit 32,5 Fehltagen, Straßen- und Tunnelwärter mit 31,4 Fehltagen und in der industriellen Gießerei mit 30,0 Fehltagen festgestellt. Danach folgten Berufe in der spanlosen Metallverarbeitung, Platz- und Gerätewarte sowie Bus- und Straßenbahnfahrer mit jeweils 29,4 Fehltagen.

Berufe in der Metallumformung sowie im Dialogmarketing wiesen statistisch im Schnitt je Beschäftigten jeweils 28,1 Fehltage auf. Innerhalb der Berufe in der Papierverarbeitung und der Verpackungstechnik wurden 27,8 Fehltage sowie in der Altenpflege 27,7 Fehltage je Arbeitnehmer ermittelt.

Berufsspezifisches gesundheitliches Risikoprofil

Unter die Berufsgruppen mit den wenigsten Ausfallzeiten pro AOK-versicherte Beschäftigte fielen Berufe in der Konstruktion und im Gerätebau mit 10,3 Fehltagen sowie Geschäftsführer und Vorstände mit 10,1 Fehltagen. In der Kosmetikbranche gab es 9,5 Fehltage je Beschäftigten, bei den Berufstätigen im Bereich Werbung und Marketing je 9,2 Krankheitstage.

Bei Berufen im Controlling wurden 9,0 Fehltage und in der IT-Anwendungsberatung 8,8 Fehltage je Arbeitnehmer festgestellt. Ärzte sowie Berufstätige in der technischen Entwicklung und Forschung hatten statistisch im Schnitt 8,0 Fehltage je Beschäftigten. Pro Berufstätigen in der Softwareentwicklung gab es 7,7 Krankheitstage und je Beschäftigten in der Hochschullehre und -forschung sogar nur 4,6 Fehltage.

„Jeder Beruf beinhaltet ein spezifisches gesundheitliches Risikoprofil. Präventionsangebote im Betrieb müssen daher immer auf die jeweilige Berufsgruppe angepasst werden“, betont Helmut Schröder, stellvertretender Geschäftsführer des WIdO.

Alter als Krankheitsfaktor

Die Analyse ergab ferner, dass sich bei je einem Fünftel (ein Quintil) der AOK-Versicherten – das sind jeweils rund 2,5 Millionen Beschäftigte –, die in den Berufen mit den höchsten oder niedrigsten Fehlzeiten arbeiten, die Krankenstände im Durchschnitt um mehr als die Hälfte unterscheiden. Das Quintil in den Berufen mit den höchsten Fehlzeiten wiesen in 2018 im Schnitt 26,3 Krankentage auf. Ein Fünftel derjenigen, die in Berufen mit den niedrigsten Krankenständen beschäftigt waren, hatten im selben Vergleichszeitraum dagegen im Schnitt nur 12,8 Krankentage.

Selbst wenn man das Alter als Krankheitsfaktor herausrechnet, zeigt sich immer noch, dass die berufliche Tätigkeit die Länge des durchschnittlichen Krankenstandes beeinflusst. Werden die Altersunterschiede bei den genannten Quintilen statistisch ausgeglichen, bleiben laut Studienautoren bei den Berufen mit den meisten krankheitsbedingten Fehlzeiten im Schnitt 25,5 Fehltage, bei den Berufen mit den wenigsten Krankenständen sind es dagegen nur 13,6 Krankentage.

Schröder betont diesbezüglich: „In Zeiten des Fachkräftemangels unterstützen bereits heute viele Unternehmen ihre Beschäftigten dabei, möglichst lange gesund im Betrieb zu bleiben. Hierzu sind auch altersgerechte Arbeitsbedingungen notwendig, die insbesondere den spezifischen Bedürfnissen älterer Beschäftigter Rechnung tragen.“

Leiden, die die meisten Arbeitsunfähigkeits-Tage verursachen

Die im Schnitt häufigsten Arbeitsunfähigkeits-Tage wegen eines bestimmten Leidens gab es aufgrund Muskel-Skelett-Erkrankungen – 2018 wie auch 2017 war statistisch gesehen jeder AOK-versicherte Beschäftigte im Durchschnitt 5,8 Krankentage deswegen krankgeschrieben. Bei den Atemwegserkrankungen lag der Durchschnitt bei 3,5 Krankentagen (2017: 3,3 Krankheitstagen) und bei psychischen Leiden bei 3,0 Krankentagen (2017: 2,9 Krankheitstagen).

Verletzungen waren letztes Jahr der Grund für im Schnitt 2,9 Arbeitsunfähigkeits-Tage (2017 2,8 Krankheitstage). 2017 wie 2018 waren Herz-Kreislauf-Erkrankungen für je 1,4 Krankentage und Verdauungsleiden für je 1,3 Krankentage die Ursache.

Dass sich der Beruf nicht nur auf die Länge des durchschnittlichen Krankenstandes auswirkt, sondern auch auf darauf, welche Krankheitsarten häufiger auftreten, zeigen Datenanalysen zu Muskel-Skelett-Erkrankungen und psychischen Erkrankungen.

Bis zu 11,6 Krankentage wegen Muskel-Skelett-Erkrankungen

Während 2018 abhängig Beschäftigte im Durchschnitt 5,8 Tage aufgrund einer Muskel-Skelett-Erkrankung krankgeschrieben waren, entfielen auf Berufe in der Ver- und Entsorgung, auf Straßen- und Tunnelwärter sowie auf Platz- und Gerätewarte im Schnitt zwischen 11,0 und 11,6 Krankentage. Auch Berufstätige in der industriellen Gießerei, in der Baustoffherstellung und in der Textilreinigung hatten mit im Schnitt 10,1 bis 10,7 Krankheitstage wegen einer Muskel-Skelett-Erkrankung einen überdurchschnittlich hohen Krankenstand.

Das Gleiche gilt für Beschäftigte in der Papierverarbeitung und Verpackungstechnik, in der Forstwirtschaft und im Maurerhandwerk mit jeweils durchschnittlich 10,0 Krankheitstagen in 2018. Die durchschnittlich wenigsten Krankheitstage wegen Muskel-Skelett-Erkrankungen wiesen dagegen die in der Hochschullehre und -forschung Tätigen mit 0,5 Krankheitstagen auf. Auch Berufstätige in der Softwareentwicklung lagen mit im Schnitt 0,8 Krankheitstagen weit unter dem Durchschnitt aller abhängig beschäftigten AOK-Mitglieder.

Ebenfalls einen unterdurchschnittlichen Krankenstand hatten Ärzte sowie Berufstätige der technischen Entwicklung und Forschung mit im Schnitt jeweils 1,2 Krankentagen und Beschäftigte in der IT-Anwendungsberatung mit 1,3 Krankentagen in 2018. Deutlich unter dem Krankenstands-Durchschnitt lagen zudem Assistenzkräfte in Rechtsanwaltskanzleien und bei Notariaten, Beschäftigte bei Steuerberatern, im Controlling, in der Werbung und im Marketing sowie im Bereich Informatik mit jeweils 1,4 Arbeitsunfähigkeits-Tagen.

Deutliche Unterschiede bei psychischen Erkrankungen

Ganz anders die Aufteilung der durchschnittlichen Krankentage in 2018 aufgrund psychischer Erkrankungen. Im Schnitt war letztes Jahr jeder Beschäftigte 3,0 Tage deswegen krankgeschrieben. Die meisten Krankentage gab es im Schnitt in den Berufen im Dialogmarketing (7,1 Krankentage), in der Haus- und Familienpflege (6,3 Krankentagen), in der Altenpflege (6,0 Krankentage), bei Bus- und Bahnfahrern sowie Beschäftigten in der Sozialverwaltung und -versicherungen mit je 5,4 Krankentagen.

Deutlich über dem Durchschnitt war auch die Anzahl der Krankentage bei Arbeitnehmern in der Krankenpflege sowie Heilerziehungspflege mit je 4,9 Krankentagen. Ebenfalls viele Krankentage, nämlich jeweils im Schnitt 4,8 Arbeitsunfähigkeits-Tage im Jahr, gab es in Berufen der Erziehungswissenschaft, bei Kassierern und Kartenverkäufern sowie im Bereich der Sozialarbeit und Sozialpädagogik. Den geringsten krankheitsbedingten Ausfall wegen psychischer Leiden wiesen im Schnitt Berufe in der Hochschullehre und -forschung mit 0,9 Krankheitstagen auf.

Ebenfalls niedrig war der Krankenstand bei den Beschäftigten in der technischen Entwicklung und Forschung, in der Landwirtschaft und im Aus- und Trockenbau mit jeweils 1,1 Krankentagen. Nur geringfügig höher waren die krankheitsbedingten Ausfallzeiten im Hochbau, im Zimmereihandwerk und in der Land- und Baumaschinentechnik mit je 1,2 Krankentagen im Jahr. Ebenfalls deutlich weniger Krankentage als der Durchschnitt hatten Beschäftigte im Konstruktions- und Gerätebau mit 1,3 Krankentagen sowie Ärzten und Beschäftigte in der Mechatronik mit je 1,4 Krankentagen in 2018.

Betriebliche Gesundheitsförderung zahlt sich aus

Übrigens, eine betriebliche Gesundheitsförderung (BGF) und Prävention zahlt sich nicht nur für die Gesundheit der Mitarbeiter aus, sondern bringt auch einen ökonomischen Nutzen für den Betrieb. Dies belegen rund 2.400 Studien, die im IGA-Report 28, der 2015 erschienen ist, ausgewertet wurden. Beim IGA-Report 28 handelt es sich um eine Vergleichsstudie der Initiative Gesundheit und Arbeit (IGA), die vom BKK Dachverband e.V., der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV), dem AOK-Bundesverband und dem Verband der Ersatzkassen e.V. getragen wird.

Laut Studienautoren sinken durch eine BGF krankheitsbedingte Fehlzeiten im Schnitt um 25 Prozent, zudem lassen sich mit jedem darin investierten Euro rund das 2,7-Fache durch reduzierte Fehlzeiten einsparen. Umfassende Informationen, wie Betriebe eine BGF oder gleich ein Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) umsetzen können, enthalten die Webauftritte der IGA, der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin und der DGUV. Auch einige Krankenkassen sowie die BGF-Koordinierungsstelle der Krankenkassen unterstützen Firmen rund um die BGF.

Detaillierte Checklisten und Handlungshilfen zum BGF und BGM gibt es auch online von der Initiative Neue Qualität der Arbeit (INQA), die vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales ins Leben gerufen wurde. Ein Projekt der INQA ist unter anderem das Webportal www.psyga.de mit dem Schwerpunkt für psychische Gesundheit am Arbeitsplatz. Hier gibt es diverse abrufbare Onlinetools, Checklisten, Handlungshilfen und Praxisratgeber für Unternehmer, Führungskräfte und Arbeitnehmer.

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