Dr. hörtkorn  VERSICHERUNGSMAKLER

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Naturkatastrophen Bilanz des ersten Halbjahrs

Das Schadenausmaß, das Naturkatastrophen wie Erdbeben, Überschwemmungen, Dürre, Blitz und Hagel weltweit im ersten Halbjahr anrichtete, liegt bei rund 28 Milliarden Euro. Das teuerste einzelne Ereignis traf Deutschland besonders stark.

30.7.2018 (verpd) Naturkatastrophen verursachten in den ersten sechs Monaten des Jahres 2018 laut eines Rückversicherers weltweit Schäden in Höhe von umgerechnet 28 Milliarden Euro. Das ist im Vergleich zum Vorjahr zwar deutlich weniger, aber ungefähr gleich hoch wie der Durchschnitt im Vergleichszeitraum der letzten 30 Jahre. Teuerstes Naturereignis von Januar bis Juni 2018 war der Wintersturm Friederike mit 2,2 Milliarden Euro Schaden; rund zwei Drittel betrafen allein Deutschland.

2017 hatten Naturkatastrophen besonders hohe Schäden hinterlassen. Wie der global tätige Rückversicherer Munich Re jüngst berichtete, war das Schadenausmaß im ersten Halbjahr 2018 mit 33 Milliarden US-Dollar – umgerechnet rund 28 Milliarden Euro – um fast die Hälfte geringer als noch in den ersten sechs Monaten des Vorjahres. Laut Rückversicherer gab es jedoch in den ersten sechs Monaten 2018 rund 430 schadenrelevante Naturkatastrophen, und damit „mehr als im langfristigen Durchschnitt (250) und im Vorjahr (380)“.

Ebenfalls zu bedenken ist, dass die höheren Schäden oft erst in der zweiten Jahreshälfte entstehen. Alleine 2017 wurden zwar in den ersten sechs Monaten Schäden durch Naturkatastrophen in Höhe von 65 Milliarden Dollar, also circa 55,5 Milliarden Euro verursacht. Bis Ende der zweiten Jahreshälfte summierte sich der Gesamtschaden jedoch für das ganze Jahr nicht zuletzt durch die Hurrikan-Serie im Herbst 2017 mit den Stürmen Harvey, Irma und Maria auf rund 340 Milliarden US Dollar, rund 291 Milliarden Euro.

Von 28 Milliarden Euro Schaden war etwa die Hälfte versichert

Doch nicht jeder Schaden war auch durch eine entsprechende Versicherung abgedeckt. Die versicherten Schäden beliefen sich laut Rückversicherer in den ersten sechs Monaten 2018 auf 17 Milliarden Dollar (14,5 Milliarden Euro). Im ersten Halbjahr 2017 waren es noch 25,5 Milliarden Dollar (21,8 Milliarden Euro).

Doch der Wert der versicherten Schäden der ersten sechs Monate in 2018 war ähnlich hoch wie im Durchschnitt die Schadenshöhe der ersten Halbjahre der vergangenen 30 Jahre mit 17,5 Milliarden US-Dollar, also rund 15 Milliarden Euro.

Rund 3.000 Menschen kamen im ersten Halbjahr 2018 bei Naturkatastrophen ums Leben, 2017 gab es 5.540 Todesfälle zu beklagen.

Bilanz des Winters in Europa: 3,9 Milliarden Euro Schaden

In Europa prägten nach Angaben der Rückversicherungs-Gesellschaft Winterschäden das Schadengeschehen. Sie schlugen mit 3,9 Milliarden Euro zu Buche, wovon 2,9 Milliarden Euro versichert waren. „Schadenträchtigstes Ereignis war Wintersturm Friederike, der Mitte Januar mit Windgeschwindigkeiten bis zu 150 Stundenkilometern im Flachland und 200 Stundenkilometern in den Bergen über Großbritannien, Nordfrankreich, die Beneluxländer und Deutschland hinwegzog“, so der Rückversicherer.

Tausende Gebäude und Autos seien beschädigt worden, der Zugfernverkehr in Deutschland wegen umgerissener Oberleitungen eingestellt. Der Gesamtschaden betrug global 2,2 Milliarden Euro, davon waren – wegen der hohen Versicherungsdichte in Europa – 1,7 Milliarden Euro versichert.

Deutschland traf es besonders hart, etwa zwei Drittel der Schäden entfielen auf die Bundesrepublik. Dabei hatte erst wenige Wochen zuvor der in fast den gleichen Regionen aufgetretene Wintersturm Eleanor – in Deutschland wurde er Burglind genannt – einen Schaden „nahe der Milliardengrenze“ verursacht.

Gewitter und Sturzfluten

Mit einer „ungewöhnlichen Wetterkombination“ war Zentraleuropa im Mai und Anfang Juni 2018 konfrontiert. „Im Süden und Westen Deutschlands sowie in Frankreich bildeten sich in feuchtwarmen Luftmassen Serien von sehr langsam ziehenden Gewittern, die vielerorts Sturzfluten auslösten.“ Die Schäden infolge dieser Unwetter summierten sich auf rund 1,6 Milliarden Euro, davon waren gut 900 Millionen Euro versichert.

Insgesamt seien die Schäden durch schwere Gewitter in Deutschland selbst nach Bereinigung um den Wertezuwachs im Zunehmen begriffen. Während bei Schäden durch Sturm oder Hagel der größte Teil von Versicherern getragen werde, liege der versicherte Anteil bei Sturzflutschäden meist deutlich unter 50 Prozent, fügt Munich Re hinzu.

Ein Hauptgrund dafür dürfte sein, dass immer noch sehr viele keine Elementarschaden-Versicherung für ihr Gebäude und ihren Hausrat haben. Dieser Versicherungsschutz kann meist optional in die Hausrat- und Wohngebäudeversicherung miteingeschlossen werden und sichert Naturrisiken wie Überschwemmungen, Hochwasser, Starkregen, Lawinen, Sturzfluten, Erdrutsch und Erdbeben ab.

Hitze und Dürre

Gleichzeitig hatten Nordostdeutschland, Dänemark sowie Teile Polens, Skandinaviens, des Baltikums und des Balkans mit Hitze und Trockenheit zu kämpfen.

Die Folge sei, „dass in vielen betroffenen Regionen die Getreideernte sehr schlecht ausfallen wird. Vielerorts werden Einbußen bis hin zu Totalausfällen befürchtet“, so der Rückversicherer.

Ursache beider Phänomene war eine Wetterlage, bei der ein blockierendes Hochdruckgebiet über Skandinavien und ein hochreichendes Tiefdruckgebiet über westlichen bis zentralen Teilen Europas lag, wie die Munich Re erläutert. „Teile Zentraleuropas verzeichneten den wärmsten Mai seit 1881, wie auch bereits den wärmsten April.“

Blick in eine Zukunft mit Klimawandel

Auf den Klimawandel können solche einzelnen Ereignisse nicht zurückgeführt werden, sagt Ernst Rauch, Chef-Klima- und Geowissenschaftler des genannten Rückversicherers.

„Aber“, so führt der Experte weiter aus, „Klimamodellstudien zeigen, dass ein künftiger Effekt der Temperaturzunahme häufigere Hitze- und Trockenperioden sowie intensivere konvektive Starkniederschläge sind. Die Wetterabläufe passen also grob in das Muster, das der Klimawandel für die Zukunft noch häufiger erwarten lässt.“

Dr. Torsten Jeworrek, Vorstandsmitglied bei Munich Re, betont, es sei wichtig, die langfristigen Entwicklungen zu kennen. Es gelte, „weiter jede Anstrengung [zu] unternehmen“, die Hintergründe von Naturkatastrophen zu verstehen und Präventionsmaßnahmen zu setzen. „Wie sinnvoll das ist, zeigen Statistiken zu Hochwasserschäden in Europa, die durch Investitionen in Schutzmaßnahmen tendenziell zurückgegangen sind.“

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