Dr. hörtkorn  VERSICHERUNGSMAKLER

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Warum eine Leiter für einen Betrieb gefährlich werden kann

Viele Tätigkeiten, beispielsweise in der Materialverwaltung, Reinigung, Wartung oder Instandsetzung, werden in Betrieben mithilfe von Leitern durchgeführt. Das ist oftmals nicht ungefährlich und kann für das Unternehmen sogar teuer werden, wenn Vorgaben nicht eingehalten wurden.

6.6.2019 (verpd) In nahezu allen Unternehmen sind Steighilfen wie Leitern zu finden. Jedes Jahr ereignen sich jedoch über 20.000 schwere Arbeitsunfälle im Zusammenhang mit Leitern. Gesetzliche Vorschriften und arbeitsrechtliche Vorgaben wie eine Prüfvorschrift sollen helfen, dieses Unfallrisiko zu minimieren. Seit Ende letzten Jahres gibt es beispielsweise eine neue Technische Regel für Betriebssicherheit (TRBS), die die Arbeitgeber beachten sollten. Wer als Arbeitgeber den vorgeschriebenen Arbeitsschutz nicht einhält, muss mit drastischen Konsequenzen rechnen.

Die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) hat für das Jahr 2016 eine Statistik zum Arbeitsunfallgeschehen mit Leitern veröffentlicht. Demnach gab es knapp 23.700 meldepflichtige Unfälle, die im Zusammenhang mit diesen Steighilfen passierten. In rund sechs Prozent der Fälle, also bei fast jedem 15. Unfall, kam es zu schweren Verletzungen; einige endeten auch tödlich.

Die Ursachen für Unfälle mit Leitern sind vielfältig und reichen von Leitern, die für die Tätigkeit einfach nicht geeignet sind, über einen Untergrund, der nicht standfest ist, bis hin zu defekten Leitern, die einfach nachgeben.

Neue Norm, damit Leitern sicherer sind

Die Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft (BG Bau) hat die Unfallursachen bei Leiterunfällen analysiert. Die Spezialisten fanden heraus, dass fast 90 Prozent aller Leiterunfälle, ihren Grund in einer mangelhaften Standsicherheit haben. Die überarbeitete Leiternorm DIN EN 131, die seit Januar 2018 gilt, soll deshalb die Standfestigkeit speziell von Anlege- und Mehrzweckleitern verbessern.

Betroffen sind von den Änderungen unter anderem alle tragbaren Anlegeleitern, die eine Leiterlänge von über drei Metern aufweisen. Nach der neuen Norm müssen diese nun eine größere Standbreite aufweisen.

Dies kann beispielsweise durch eine Quertraverse oder durch eine konische Bauweise erreicht werden. Dies gilt auch für Mehrzweckleitern mit einem aufgesetzten Schiebeleiterteil, wenn dieses länger als drei Meter und von der Leiter trennbar ist. Außerdem sind nun Leitern für private und gewerbliche Nutzergruppen zu kennzeichnen.

Altbestände einer Gefährdungsbeurteilung unterziehen

Thomas Jacob, Steigtechnikspezialist bei der Berufsgenossenschaft für Handel und Warenlogistik (BGHW), erklärt die Gültigkeit der neuen Norm: „Nur weil Produkte mit einem höheren Sicherheitsgrad zur Verfügung stehen, bedeutet das nicht, dass die anderen Produkte verboten sind. Wenn eine Leiter zum Zeitpunkt des Inverkehrbringens den gültigen Rechtsvorschriften entspricht, darf sie auch nach einer Aktualisierung der Rechtsvorschrift verwendet werden.“

In der Praxis bedeutet dies: Werden neue Leitern angeschafft, müssen diese die neue Norm erfüllen. Umgekehrt dürfen aber auch ältere Leitermodelle, die eben noch nicht der aktuellen Norm entsprechen, weiterverwendet werden, wenn deren Sicherheit für den entsprechenden Arbeitsauftrag gewährleistet ist. Experten empfehlen, dass gewerbliche Anwender ihre Altbestände einer Gefährdungsbeurteilung unterziehen sollten.

Durchführen kann eine derartige Gefährdungsbeurteilung eine befähigte Person. Dabei handelt es sich gemäß Paragraf 2 BetrSichV (Betriebssicherheits-Verordnung) um „eine Person, die durch ihre Berufsausbildung, ihre Berufserfahrung und ihre zeitnahe berufliche Tätigkeit über die erforderlichen Kenntnisse zur Prüfung von Arbeitsmitteln verfügt“. Sollte dabei herauskommen, „dass die Standsicherheit der Leitern nicht gewährleistet ist, empfiehlt die DGUV – je nach Ergebnis der Gefährdungsbeurteilung –, die entsprechenden Leitern mit einer Traverse nachzurüsten“, so Jacob.

Prüfung mindestens einmal im Jahr

Zwar schreiben die aktuellen Vorgaben durch die Informationen 208-016 und -032 der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung e.V. (DGUV) für den betrieblichen Einsatz von Steigtechnik eine wiederkehrende Sicht- und Funktionsprüfung der eingesetzten Steigtechnik vor. Allerdings ist nicht eindeutig festgelegt, wie häufig diese zu prüfen ist. Die Zeitintervalle sollten sich deshalb nach der Nutzungshäufigkeit, der Beanspruchung bei der Benutzung und der Häufigkeit und Schwere festgestellter Mängel bei vorangegangenen Prüfungen orientieren, erklären Experten.

„Je häufiger und intensiver eine Leiter oder ein Gerüst also im Einsatz sind, umso häufiger sollten sie auch überprüft werden“, erläutert beispielsweise Michaela Weber, Expertin beim Leiterhersteller Hymer-Leichtmetallbau. Sie ergänzt: „Um Unfälle durch nicht mehr funktionstüchtige Steigtechnik zu vermeiden, empfehlen wir, die betriebliche Steigtechnik bei regulärer Belastung mindestens einmal im Jahr – bei intensiver Nutzung auch häufiger – genau zu untersuchen.“

Bei diesen Prüfungen unterliegt der Leiterbeauftragte übrigens keinerlei Weisungen, das heißt, er entscheidet eigenverantwortlich über die weitere Nutzung oder den Austausch der Arbeitsmittel. Und trotz dieser regelmäßigen Prüfungen sollte sich jeder Benutzer vor jedem Einsatz eigenständig durch eine Sichtprüfung von Eignung und Zustand des gewählten Arbeitsmittels überzeugen.

Auswirkungen der Neufassung der TRBS 2121-2

Neben den Vorgaben der BetrSichV gibt es außerdem die Technischen Regeln für Betriebssicherheit (TRBS), welche die Vorgaben der BetrSichV konkretisieren. Das im Ausschuss für Betriebssicherheit (ABS), der dem Bundesministerium für Arbeit und Soziales zugeordnet ist, erarbeitete Regelwerk „TRBS 2121-2 – Gefährdung von Beschäftigten bei der Verwendung von Leitern“ trat im Dezember 2018 mit einer Neufassung in Kraft. Es regelt die Vorgaben bei der gewerblichen Nutzung von Leitern.

Wichtig hierbei: Die Regeln der TRBS sind zwar nicht verbindlich, aber eine wichtige Hilfestellung für Unternehmen, um den gesetzlich vorgegebenen Anforderungen der BetrSichV gerecht zu werden. Setzt ein Unternehmen die Vorgaben der TRBS um, kann es für sich die Vermutung geltend machen, dass es den Vorschriften der BetrSichV gerecht wird. Entscheidet sich ein Unternehmen aber für eine andere Lösung, so muss es die gleichwertige Erfüllung der Verordnung schriftlich nachweisen.

Für die korrekte Umsetzung der TRBS 2121-2 ist zunächst eine Gefährdungsbeurteilung durchzuführen. Auf deren Basis gilt es dann zu entscheiden, welche Steigtechnik im konkreten Fall zum Einsatz kommen soll. Das kann beispielsweise eine Leiter, aber auch ein Fahrgerüst oder eine Hebebühne sein. Hierbei sind die neuen Vorgaben der TRBS 2121-2 zu beachten.

Konkrete Vorgaben der TRBS 2121-2

Bis zu einer Zustiegshöhe von maximal fünf Metern dürfen noch geeignete Sprossen- oder Stufenleitern als Verkehrsweg eingesetzt werden. Soll es höher hinausgehen, müssen gemäß TRBS 2121-2 Alternativen wie zum Beispiel ein Treppengerüst verwendet werden.

Wird die Leiter als Arbeitsplatz genutzt und muss der Arbeiter zur Durchführung seiner Tätigkeiten länger auf der Leiter verbleiben, so dürfen hierfür nur Leitern mit einer maximalen Standhöhe von fünf Metern genutzt werden und zwar auch nur dann, wenn diese eine mindestens 80 Millimeter tiefe Stufe, einen Einhängetritt oder eine Plattform zum Stehen bereitstellt.

Bei den Nutzungszeiten gibt es ebenfalls neue Vorgaben. Keine Einschränkungen gibt es bei einer Standhöhe von bis zu zwei Metern. Bei einer Standhöhe ab zwei und maximal fünf Metern dürfen Leitern nur für zeitweilige Arbeiten, die weniger als zwei Stunden dauern, verwendet werden.

Informationsquellen

Grundsätzliche Informationen zum Arbeitsschutz wie zur Durchführung von Gefährdungs-Beurteilungen bietet das Webportal der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA). Von Berufsgenossenschaften (BGs), aber auch von einigen Steighilfeherstellern gibt es zudem hilfreiche Broschüren zum Thema Arbeitsschutz bei der Verwendung von Leitern und anderen Steighilfen. Detaillierte Informationen zur Neufassung der TRBS 2121-2 liefert beispielsweise eine kostenlos herunterladbare Broschüre des Leiternherstellers Hymer Alu.

Die wesentlichen Neuerungen der DIN EN 131-1 Leitern fasst eine Broschüre des Leiternherstellers Günzburger Steigtechnik übersichtlich zusammen. Worauf bei einer Leiternprüfung zu achten ist, findet sich im „Kontrollblatt für Leitern“ des Herstellers Zarges. Die „Handlungsanleitung für den Umgang mit Leitern und Tritten“ der BG der Bauwirtschaft (BG Bau) ist zwar schon etwas älter, liefert aber immer noch hilfreiche Informationen. Anschaulich wird das Thema auch im Video „Unfälle mit Leitern“ der BG Energie Textil Elektro Medienerzeugnisse (BG ETEM) zusammengefasst.

Übrigens, Arbeitgebern, die sich nicht an das Arbeitsschutzgesetz halten und beispielsweise auch eine für Steighilfen wie Leitern vorgeschriebene Gefährdungsbeurteilung nicht durchführen (lassen), droht ein Bußgeld bis in fünfstelliger Höhe. Kommt es aufgrund einer nicht geprüften Steighilfe zu einem Arbeitsunfall, kann es je nach Umstand sein, dass der Arbeitgeber für den entstandenen Schaden haften muss. Zudem können sogar strafrechtliche Konsequenzen wie eine Geld- oder Freiheitsstrafe drohen.

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